Oktober 2020
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Die Messe als Motor der Stadtentwicklung

Die Geschichte der Messe Zagreb ist eng mit der Entwicklung der Stadt Zagreb verbunden. In den letzten hundert Jahren wechselte die Messe fünf Mal ihre Adresse. Vom Ban-Jelačić-Platz, heute der wichtigste öffentliche Platz Zagrebs, über den Standort Martićeva Straße wurde die Messe 1956 an das Südufer des Flusses Save verlegt. Für die Stadt war dies ein historischer Schritt. Es entstand der neue Stadtteil Novi Zagreb, der ganz nach den Prinzipien der Charta von Athen von 1933 geplant wurde. Bis dahin war Zagreb eine Stadt an einem Hügel, danach wurde Zagreb zu einer Stadt am Fluss. Mit dem Umzug begann auch die Blütezeit der Zagreber Messe. Auf 500.000 Quadratmetern Messegelände gab es in vierzig Pavillons insgesamt 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Dazu kamen 80.000 Quadratmeter im Freien.

Von Anfang an sollten Länderpavillons den internationalen Charakter der Messe betonen. So gab es auf dem Areal unter anderem ost- und westdeutsche, sowjetische, nordamerikanische, chinesische und polnische Pavillons. Daneben existierten weitere themenspezifische Ausstellungsräume. Die Zagreber Messe etablierte sich in den sechziger und siebziger Jahren als eine der weltweit größten Messen. Während des Kalten Krieges war sie Begegnungsort zweier unterschiedlicher politischer, wirtschaftlicher und kultureller Systeme und einer der wenigen Orte, an dem die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gemeinsam auftraten.

Von den ursprünglich vierzig Pavillons wird heute noch ein Drittel für die Messe genutzt. Die anderen Hallen werden inzwischen anderweitig verwendet, wurden abgerissen oder stehen einfach leer. Viele der Gebäude befinden sich unter Denkmalschutz. Eine der schönsten Hallen ist der Pavillon Nr. 40 des Architekten Ivan Vitić, der 1956 in nur fünf Monaten Planungs- und Bauzeit errichtet wurde. Mit seinem Hängedach folgt er den gleichen Konstruktionsprinzipien wie etwa die Wuppertaler Schwimmoper von 1957. Architektonisch interessant sind auch der italienische Pavillon von Giuseppe Sambito, der Pavillon der Schwerindustrie von Božidar Rašica oder Pavillon Nr. 30 von Vjenceslav Richter.

Heute finden in Zagreb jährlich 25 Messen mit insgesamt 6.000 Ausstellern und 600.000 Besucher statt. Weder die Form, die Ausstattung noch die Größe der Pavillons entsprechen den heutigen Anforderungen. Die Stadt möchte das Gelände verkaufen und investiert deshalb kaum noch in die bestehende Infrastruktur. Teilweise finden Messen in der neuen Arena am südwestlichen Stadtrand statt. Die Stadt denkt aber auch über einen Umbau der bestehenden Messegebäude oder sogar über einen Neubau an einem anderen Standort nach. Dies wäre ganz in der Tradition der bisherigen Geschichte der Zagreber Messe. Was dann mit den alten Hallen passiert und ob ein neues Messegelände abermals eine Stadterweiterung mit sich bringt, wird sich zeigen.

Messe Zagreb, Pavillon 40 Avenija Dubrovnik 15, Zagreb 1956 Ivan Vitić

Messe Zagreb, Pavillon 40 Avenija Dubrovnik 15, Zagreb 1956, Architekt: Ivan Vitić

Messe Zagreb, Italienischer Pavillon Avenija Dubrovnik, Zagreb 1961, Architekt: Giuseppe Sambito

Messe Zagreb, Italienischer Pavillon Avenija Dubrovnik, Zagreb 1961, Architekt: Giuseppe Sambito

Messe Zagreb, Pavillon der Schwerindustrie Avenija Dubrovnik, Zagreb 1953 - 57, Architekt: Božidar Rašica

Messe Zagreb, Pavillon der Schwerindustrie Avenija Dubrovnik, Zagreb 1953 - 57, Architekt: Božidar Rašica

Messe Zagreb Avenija Dubrovnik, Zagreb

Messe Zagreb Avenija Dubrovnik, Zagreb

Messe Zagreb, Slowenischer Pavillon Avenija Dubrovnik, Zagreb 1956, Architektur: B. Kolonić

Messe Zagreb, Slowenischer Pavillon Avenija Dubrovnik, Zagreb 1956, Architektur: B. Kolonić

Messe Zagreb Österreichischer Pavillon Avenija Dubrovnik, Zagreb 1969, Architekt: B. Kolonić

Messe Zagreb Österreichischer Pavillon Avenija Dubrovnik, Zagreb 1969, Architekt: B. Kolonić

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